Du sprichst schon ziemlich gut Italienisch, aber irgendwie klingst Du nicht so natürlich wie ein Muttersprachler? Du möchtest wissen, was das Geheimnis hinter authentischem Italienisch ist? Dann bist Du hier genau richtig! Dieser Artikel ist Dein fehlendes Puzzleteil, wenn es darum geht, italienischer zu klingen.
Es gibt so ein paar Wörter, die Italiener stääändig benutzen. Die folgenden gehören auf jeden Fall dazu.
Diskursmarker (segnali discorsivi) haben keine grammatikalische oder lexikalische Bedeutung, sondern eine pragmatische Funktion. Das können Adverbien, Konjunktionen, Interjektionen, Verben oder andere Wortarten sein. Man benutzt sie, um:
- die Aufmerksamkeit von jemandem auf sich zu ziehen
- einen Text oder ein Gespräch zu strukturieren
- Zeit zu gewinnen, um seine Sätze umzuformulieren
- die Sprache lebendig und abwechslungsreich zu gestalten
- logische Beziehungen zwischen Sätzen herzustellen
Am Anfang, wenn wir eine Sprache lernen, konzentrieren wir uns vielleicht vor allem auf Grammatik und Vokabeln, aber irgendwann kommen wir an einen Punkt, wo wir die Mittelstufe erreicht haben und irgendwie nicht vorankommen. Wir verstehen die Sprache zwar gut und können auch relativ gut sprechen, aber irgendwie klingt unser Italienisch künstlich und unterscheidet sich von der Art und Weise, wie Muttersprachler sprechen.
Und hier kommen die Diskursmarker ins Spiel. Wenn Du ein authentisches und natürliches Italienisch sprechen möchtest, sind sie ein absolutes Muss, denn Italiener verwenden sie dauernd, also wirklich 24/7. Sobald Du anfängst, Dich mit ihnen zu beschäftigen, wirst Du sie immer und überall bemerken. Wenn sie fehlen, dann klingen unsere Sätze irgendwie starr, langweilig und nicht natürlich.
Ich finde persönlich, dass diesem Thema noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. In vielen Lehrbüchern kommt es praktisch gar nicht vor, was sehr traurig ist, da es ein wichtiger Bestandteil der alltäglichen Sprache ist.
1. allora
Allora ist wahrscheinlich eines der italienischsten Wörtern überhaupt. Es wird wahrscheinlich von jedem Italiener täglich mehrmals benutzt und hat verschiedene Funktionen. Im Deutschen würde man es je nach Kontext mit „also“, „nun“, „gut“, „dann“, aber auch „damals“ übersetzen.
- Einleitung:
Allora, cominciamo con la lezione. „Also, fangen wir mit dem Unterricht an.“
Allora, oggi parliamo di cibo. „Also, heute sprechen wir über Essen.“
- Nachdenken:
Allora… vediamo un po’. „Hmm… mal sehen.“
Allora… non so che dire. „Hmm… ich weiß nicht, was ich sagen soll.“
- Schlussfolgerung:
Sei stanco? Allora non andare alla festa. „Bist du müde? Dann geh nicht auf die Feier.“
Hai tutto? Allora possiamo andare. „Hast du alles? Dann können wir gehen.“
Vado in vacanza.
– Buone vacanze allora!
- Aufforderung:
Allora, sbrigati! „Na los, beeil dich!“
Allora, dimmi un po’. „Na los, erzähl mal.“
- Nachfragen:
Allora, cos’è successo? „Also, was ist passiert?“
Allora, hai capito? „Also, hast du’s verstanden?“
- Verabschiedung:
Allora, ci vediamo domani. „Also dann, wir sehen uns morgen.“
Allora, buona serata. „Also dann, schönen Abend.“
E allora? heißt so viel wie„na und“.
2. senti/guarda
Bei diesen Wörtern handelt es sich zwar um den Imperativ in der 2. Person der Verben sentire und guardare, aber sie haben auch andere Funktionen und werden oft auch ohne ihre ursprüngliche wörtliche Bedeutung benutzt.
- Aufmerksamkeit gewinnen:
Senti, ti devo dire una cosa. „Hör mal, ich muss dir was sagen.“
Guarda, non è come pensi. „Pass auf, es ist nicht so, wie du denkst.“
- neues Thema anfangen/Thema wechseln:
Senti, a proposito… „Übrigens…“
Guarda, un’altra cosa… „Ach übrigens, noch etwas…“
- Meinung einleiten:
Senti, io non la vedo così. „Also, ich sehe das nicht so.“
Guarda, per me va benissimo. „Also, für mich passt das.“
- Abschwächung
Guarda, oggi proprio non riesco. „Du, heute schaffe ich es wirklich nicht.“
- Nachdruck:
Guarda che è vero. „Das stimmt wirklich.“
- Rechtfertigung:
Guarda, è successo tutto all’improvviso. „Du, es ist alles ganz plötzlich passiert.“
Senti, non dipende da me. „Hör mal, das hängt nicht von mir ab.“
Die formellen Formen, also in der 3. Person (Lei) wären senta und guardi.
Wie man anhand der Beispiele sieht, fordert z.B. guarda einen meistens nicht dazu auf, wirklich zu schauen. Das wird vor allem durch die Tatsache deutlich, dass Italiener guarda auch am Telefon benutzen!
Während der Fokus bei guarda eher auf der Erklärung und dem Inhalt, also etwas Objektivem, liegt, bezieht sich senti eher auf das Gegenüber und ist emotionaler.
Senti kann je nach Kontext und Betonung auch unhöflich wirken, also sei lieber vorsichtig damit, wenn Du noch nicht so sicher im Umgang bist.
3. insomma
Die ursprüngliche Bedeutung ist „alles in allem“ oder „kurz gesagt“. Im Alltag wird es aber auch häufig benutzt, um sowas wie „naja“ oder „es geht so“ zu sagen,
- Zusammenfassung:
Dieses Wort kann sowohl am Ende eines Gesprächs verwendet werden, um es zusammenzufassen oder ein Fazit zu ziehen oder aber auch, um etwas kurz zu machen, wenn man nicht so lange drumherum reden will.
Oggi ho lavorato, cucinato, sistemato la casa, insomma, è stata una lunga giornata. „Heute habe ich gearbeitet, gekocht und aufgeräumt, kurz gesagt, es war ein langer Tag.“
- Ungeduld:
Insomma! La smetti di urlare? „Jetzt reicht’s! Hörst du auf zu schreien?“
Insomma! Un po’ di rispetto! „Mensch! Ein bisschen Respekt!“
- mit der Bedeutung „naja“/„es geht so“, eher negativ als positiv:
Laura parla molto bene l’inglese. „Laura spricht sehr gut Englisch.“
– Insomma… (= non è poi così brava) „Naja, so gut ist sie auch wieder nicht.“
Ti è piaciuto il film? „Hat dir der Film gefallen?“
– Insomma…(= mi aspettavo qualcosa di meglio) „Naja, ich hab was Besseres erwartet.“
Come stai? „Wie geht’s dir?“
– Insomma… „Es geht so.“
Da diese Wörter keine wirkliche semantische Bedeutung haben, sondern vielmehr eine pragmatische Funktion – die je nach Kontext variiert – gibt es meistens keine deutsche Übersetzung, die dasselbe ausdrückt wie die italienischen Wörter. Die deutschen Varianten können sich nur an die italienische Bedeutung nur annähern, da jede Sprache ihre Eigenheiten hat und nicht alle Konzepte 1 zu 1 in eine andere Sprache übertragen werden können.
Seitdem ich angefangen habe, diese Wörter zu benutzen, fühle ich mich einfach viel italienischer beim Reden. Es macht Spaß, sie zu benutzen und ich komme mir vor wie eine echte Muttersprachlerin. Wenn man die Sprache oft hört, kriegt man irgendwann den Dreh raus und weiß, wie sie funktionieren und es wird plötzlich ganz natürlich, sie zu benutzen.
Kanntest Du diese Wörter schon und benutzt Du sie? Schreib es uns in die Kommentare!
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